c da Contributions Issues About Linkbase (c) 2022 Legal Notes c da

Contributions

Wenn die Null sich in Linien entfaltet

Zerologisches Subjekt, feministische Schreibweisen, mehrstimmige Wissensproduktion

Eva Meyer, Eske Schlüters


08.04.2021

Liebe Eva,

[…] hättest du Lust, dich mit mir auf eine E-Mail-Korrespondenz zum ‚zerologischen Subjekt‘ im Kontext von Katrins materiell-diskursivem Forschungsprojekt Display & Feminismus einzulassen? Bei ihrer Recherche zu Coding und feministischem Schreiben stieß Katrin auf das zerologische Subjekt in deinem Text Zählen und Erzählen (1983) und ich hatte Zählen und Erzählen im Hinblick auf feministische Schreibweisen im Rahmen meiner Dissertation Alles kann ein Bild von allem sein (2021) gelesen. Das zerologische Subjekt macht sehr neugierig, und das Motiv der Null, des Kreises und des Lochs haben Katrin und ich ja im Rahmen der Arbeit time to sync or swim (2016) bereits vielfach aufgenommen. Hättest du Lust dich zu beteiligen?


09.04.2021

Liebe Eske,

wir können das gerne probieren. Danke für die Einladung. Zumal es sich gerade mit einer kleinen Selbstbefragung trifft, die ich angesichts gegenwärtiger identitätspolitischer Zuspitzungen mit meiner Arbeit anstelle. Das zerologische Subjekt wäre da ein guter Ausgangspunkt. Also bin ich gespannt auf deine Auftaktgedanken!


12.04.2021

Liebe Eva,

das freut mich sehr! Dann will ich gleich mal loslegen, auch wenn aller Anfang schwerfällt:

Du schreibst in Zählen und Erzählen im Rückgriff auf Julia Kristeva über „die Frau als zerologisches Subjekt“, die ein „Denken auf sich nimmt, als ‚Subjekt Null, (das) jemand ist der niemand ist, weil es sich annulliert in einer Praxis, die sich nicht dem Zeichen unterwirft’.“ Daraus entwickelst du eine Möglichkeit für eine Schreibweise, nämlich eine „Schreibweise als eine Bewegung, Struktur, Prozessualität, die sie außerhalb des vom Zeichen regierten Raums aufrechterhält“.
Das macht sehr neugierig und lässt mich, daran anknüpfend, ein paar Gedanken und Fragen formulieren. Mir fallen erst mal eine Reihe von Assoziationen zur Null ein: Zero, bzw. die Null steht ja für Abwesenheit von etwas (z.B. ist bei Abwesenheit einer Menge, nichts da) und gleichzeitig steht die Null für eine nicht vorhandene Differenz. Zum Beispiel ist in der Mathematik die Differenz zweier gleicher Zahlen null. 
Auf einer Zahlengraden hingegen trennt die Null die positiven von den negativen Zahlen und hat selbst weder positive noch negative Vorzeichen. Dargestellt wird die Null durch die Ziffer 0, die an ein Loch erinnert, an eine Leerstelle. 
Wofür steht das ‚zerologische Subjekt‘ mit diesen mathematischen Konnotationen in Bezug auf ein feministisches Schreiben? Ist es - wenn ich zum Beispiel an die Null als eine Art ‚Grenze‘ und gleichzeitig Nicht-Ort denke, in feministischen Kontexten interessant, da es sich einer zweiwertigen / binären Logik entzieht? 
Du zitierst Kristeva: „‚Das zerologische Subjekt‘“ (Kristeva selbst schreibt, dass der Begriff ‚Subjekt‘ fehl am Platze sei) „‚hängt von keinem Zeichen ab, selbst wenn wir es, von unserem Reich der Vernunft aus, nur quer durch das Zeichen denken können.‘“ Ist das tatsächlich möglich, dass ein Zeichen von keinem anderen Zeichen abhängt?

Ich bin natürlich auch neugierig, welchen Spuren du sonst bei deiner derzeitigen Selbstbefragung angesichts gegenwärtiger identitätspolitischer Zuspitzungen nachgehst und welche Rolle darin das zerologische Subjekt spielen könnte! 

PS: Interessanterweise will das Autorkorrekturprogramm aus „zerologisch“ immer „aerologisch“ machen ; - )


16.04.2021

Liebe Eske,

ich würde gern eine Linie zeichnen von Zählen und Erzählen bis Frei und indirekt (2010). Damit meine ich nicht nur meine so betitelten Bücher, sondern ebenso eine Denkweise, die eine Schreibweise ist. Womöglich hat sie ihren ‚Ursprung‘ in der Null. Auf jeden Fall ist sie ‚meine Arbeit‘ geworden.
Die Null mag wohl Nichts sein, jedenfalls ist sie das ontologisch gesprochen. Wenn man zu zählen beginnt, macht sie aber einen Unterschied. Dieser Unterschied zählt, genauer er-zählt, weil sich an der Null das Zählen selbst reflektiert und damit auch denjenigen, der zählt. Weil er es ist, für den es einen Unterschied macht. Erfährt er ihn als Mangel? Als Möglichkeit? Ich würde sagen als Mangel und Möglichkeit, weil er im Gegensatz zur einfachen Negation nicht verneint was vorliegt, sondern auf eine bestimmte Weise unbestimmt lässt, was dort vorliegen könnte, wo nichts vorliegt. Ist die Null also eine Konstruktion? Eine Er-Zählung?
Nehmen wir ruhig an, dass die Null ein Platzhalter ist. Ein Platzhalter für Etwas, das nur wird, wenn es am Nichts die Kontingenz von allem erfährt. Womöglich wollte ich so meinen feministischen Aktivismus der Siebzigerjahre in die Wissenschaft hineintragen: Eine ‚Frau ohne Eigenschaften‘, die sich das Weibliche weder essentialistisch noch als eine vollständig soziale oder kulturelle Konstruktion zuschreibt. Die Frau als zerologisches Subjekt. Ein Subjekt Null, das sich weder subjektiv auf seine Vorstellung von der Welt reduziert noch objektiv mit ihr konfrontiert bleibt, wenn es sich im Unterschied selbst verortet. Eine lokalisierte Selbstreflexion, die am Nichts des Selbst das Etwas der Welt begreift.
Meine ‚Karriere‘ als feministische Aktivistin wurde durch diese indirekte Herangehensweise ziemlich verlangsamt. Aber es war mir wichtig, aktivistische Ansprüche in die Wissenschaft hineinzutragen. Nicht um sie zurechtzubiegen oder moralisch vorzuentscheiden, wie es heute gerne gemacht wird, sondern um Potentiale zu aktivieren, die sich von alten Zuschreibungen befreien und neue Erkenntnisse schaffen... dies als Auftakt zum Auftakt. Wie geht es weiter? Findest du’s so produktiv? Oder doch lieber mehr Q and A? Mir würde gefallen, wenn du auch deine Arbeit ins Spiel bringst.


20.04.2021

Liebe Eva,

hab herzlichen Dank für das Zeichnen der Linie zwischen Zählen und Erzählen bis Frei und indirekt, die ich sehr produktiv finde, nicht nur für das Ergründen des Zerologischen!
Null als Platzhalter und ‚Ursprung‘, als Mangel aber zugleich als Möglichkeit. Eine Null mit der Möglichkeit, sich zu einer Linie zu entfalten, als dieses Bild lese ich dein (Nach-)Zeichnen.
Vielleicht können wir ein bisschen auf dieser Linie entlanggehen? Ich lese nämlich deine Antwort auf meine Auftaktfrage zugleich als einen Anfang einer Antwort auf eine Frage, die ich noch gar nicht gestellt, aber im Kopf hatte, nämlich danach, wie du Zählen und Erzählen - Für eine Semiotik des Weiblichen im Verhältnis zu den Texten siehst, die du danach geschrieben hast? Zählen und Erzählen scheint mir ein Text zu sein, der noch versucht, sich im ‚akademischen‘ Kontext zu verorten (es handelt sich ja auch um deine Dissertation), während deine Schreibweisen in den darauf folgenden Texten meinem Verständnis nach sehr viel ‚literarischer‘ sind. (Ich schreibe diese Kategorien in Anführungszeichen, weil die Verwendung von Kategorien immer auch etwas fragwürdig ist.)
Du ver-wendest in den späteren Texten häufig die Stimmen anderer Autor≠innen. Du kennzeichnest diese, indem du sie in Anführungszeichen setzt, du setzt aber keine Fußnote, in der du den genauen Text / Autor und die Seitenzahl nennst. Allerdings erwähnst du immer die Namen der Autor≠innen, bzw. bindest diese in dein Schreiben ein und am Ende deiner Bücher gibt es eine Liste der Texte, auf die du dich beziehst. Das ist eine Art zu schreiben, die an die freie indirekte Rede erinnert, bei der nicht eindeutig erkennbar ist, wer spricht, und auf die du auch in deinen Texten (nicht nur in Frei und indirekt, glaube ich) zu sprechen kommst. Inwiefern hat diese Schreibweise etwas mit dem zerologischen Subjekt zu tun?
Vielleicht ist das eine Frage, über die wir dann auch meine Arbeit ins Spiel bringen können, da ich die freie indirekte Rede als Methode mit mehr als einer Stimme zu schreiben in meiner Dissertation aufgegriffen habe.
Mehr Q and A? Ich weiß es nicht. Ich wackele hier ein bisschen herum, wahrscheinlich ruckelt es sich zurecht. Ich frage ja sehr gerne, auch in meinem Schreiben, mehr als dass ich Antworten fände ; -) Wenn du magst, frage gerne auch!


26.04.2021

Liebe Eske,

wenn wir die Null als Möglichkeit oder mit der Möglichkeit nehmen, sich zur Linie zu entfalten, sind wir bei der Frage des Ursprungs, der in diesem Fall keiner ist. Sprechen wir lieber vom Fluchtpunkt eines Schreibens, das sich nur weiterschreibt, indem es Lesarten seiner selbst zum Lesen erweckt. Das könnte eine Beschreibung meiner Schreibweise sein, die ihr aber keine nachträgliche Bedeutung verschafft, wenn sie doch gerade im Begriff ist, sich eine zukünftige Bedeutung zu schaffen. Handelt es sich hier also gar nicht um eine Beschreibung, sondern um eine Operation? Ich würde sagen: eine Operation, die sich im Gegensatz zur Beschreibung, die eine Präexistenz und eine Unabhängigkeit dessen, was beschrieben wird, suggeriert, auf Handlungen bezieht, die das, was sie beschreiben, allererst erschaffen. Eine performative Geste, die allerdings nicht unmittelbar wie im performativen Sprechakt eine neue Realität erschafft, sondern sich auf einen Prozess bezieht, der erst in der Zeit und durch die Dynamik der Wiederholung die Öffnungen und Freiheiten schafft, die bestehende Verhältnisse verändern können. Zum Beispiel die Dichotomie von Natur und Kultur, die nicht nur unseren 70er Jahre Feminismus spaltete, sondern auch die gegenwärtigen identitätspolitischen Debatten festzuschreiben droht, obwohl wir doch längst wissen, dass das, was man meint, wenn man ‚Natur‘ sagt, von der Kultur produziert und reguliert wird.   
In Zählen und Erzählen entwerfe ich eine Semiotik des Weiblichen, die weniger Korrektiv der bestehenden anthropologischen Philosophie und Daseinsanalyse ist als vielmehr die herrschenden Denk- und Schreibweisen hinterfragen will. Angesichts der Debatten unseres 70er Jahre Feminismus ging es mir nicht um einen ‚neu entdeckten‘ Gegenstand, das Weibliche, und auch nicht um meine subjektive Verfasstheit als Frau. Ich frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Weiblichen im Text. Dafür bringe ich transklassische Begriffsbildungen und Theoreme von Gotthard Günther zur Anwendung, auch formale und semiformale Darstellungsmittel, um nicht nur die Ich/Du (Mann/Frau)-Beziehung mit dem Problem der Vermittlung von hierarchischen und heterarchischen Strukturen in Verbindung zu bringen, sondern auch ein proemielles Zusammenspiel dieser Strukturen für eine Theorie des Weiblichen herauszuarbeiten: negativ als Nicht-Logik und positiv als Ermöglichung von Logik überhaupt.
Mit Marxens Schauplatz der Arbeit vor dem Wert, Freuds Mechanik der Traumbildung und Günthers Leerstellengrammatik mache ich eine Art Urszene für mein Schreiben auf, ein Schreiben, das vielleicht zunehmend literarischer wirkt, nicht zuletzt deshalb, weil die Fußnoten verschwinden. Die Zitate werden weniger als Belege vereinnahmt, vielmehr scheinen sie mich zu vereinnahmen. Besonders dann, wenn ich mich immer mehr in andere, fremde Texte einschreibe, scheinen diese ihrerseits die Regie zu übernehmen, in dem Maße, wie ich nicht über sie, sondern frei und indirekt mit ihnen weiterschreibe. Müssen Wissenschaft und Literatur in dieser Schreibweise eine Opposition bleiben? Muss das eine für das andere aufgegeben werden? Ich denke nicht. Aber bevor ich hier weiter ausschweife: Wie hältst denn du’s damit in deiner Dissertation? Genauer: Wie gelingt dir das Zusammenspiel von Fremdem und Eigenem ohne die üblichen Hierarchien und Vereinnahmungen?


03.05.2021

Liebe Eva,

vielen Dank für die Fortsetzung und deine Anmerkungen zu Zählen und Erzählen.
Ich muss gestehen, dass ich einige Begriffe wie ‚proemiell‘ erst mal nachschlagen musste.
Dabei habe ich festgestellt, dass Google mir statt ‚proemiell‘, ‚promill‘ vorschlägt und die Suchmaschine Ecosia mir gar keine Auskunft geben kann bzw. nur auf einen Link verweist, der so tut als würde er mir den Begriff in einem Fremdwörterlexikon erklären können. Den Begriff habe ich dann über die Google-Suchmaschine in einem Text von Rudolf Kaehr und Thomas Mahler („Prooemik und Disseminatorik“) online gefunden, in dem es um Gotthard Günther und Proemialrelation und Programmierung geht. Vielleicht ist das auch interessant für Katrins Forschungsprojekt zur Programmierung und Schreiben? Wie kommt es, dass du dein Schreiben im Rückgriff auf mathematische Operationen entwickelt hast?
Ich fand den Text ohne mathematisches Fachwissen ziemlich schwer verständlich und ehrlich gesagt, weiß ich immer noch nicht, was ‚proemiell‘ bedeutet. Magst du das erklären oder führt es zu weit?
Interessant bei dieser Online-Suche nach Begriffen ist ja auch immer, was man da so findet oder eben nicht findet: Je nach Suchmaschine oder auch Rechner, von dem aus man sucht, gibt es verschiedene ‚Treffer‘.
Ein Satz, den ich in Bezug zu unserem Briefwechsel zum Zerologischen im Text von Kaehr / Mahler interessant fand ist folgender: „Der eigentliche Sinn des vorgeschlagenen Modells besteht somit primär nicht darin, die Proemialrelation zu operationalisieren, sondern darin, auf sie zu deuten als auf etwas, das da ist, aber eben positivsprachlich nicht genannt werden kann.“ Das erinnert an eine paradoxe Figur: Es ist da, aber es kann sprachlich nicht benannt werden. Dabei muss ich an deinen Text „Und-Überschuss-Gertrude Stein“ in Frei und indirekt denken. Darin greifst auf eine Geschichte zurück, die Niklas Luhmann in seinem Text „Die Rückgabe des zwölften Kamels: Zum Sinn einer soziologischen Analyse des Rechts“ (2000) erzählt. Es geht um ein Kamel, das zwölfte Kamel, das dafür benötigt wird, eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln, nämlich die Teilung von elf Kamelen unter drei Brüdern, so, wie der Vater es testamentarisch festgelegt hatte. Der Älteste soll die Hälfte der Kamele bekommen, der Zweitälteste ein Viertel und der Jüngste ein Sechstel. Damit die Aufteilung möglich ist, wird ihnen ein Kamel vom Richter geliehen. Am Ende der Teilung ist das geliehene Kamel wieder übrig. Darüber, ob das Kamel nun nötig war oder nicht, stellst du Überlegungen an: „Es war nötig und es war nicht nötig. Doch dieses Wort ›und‹, das dem zwölften Kamel anhängt, verweist- ganz klar- über sein Kamelsein hinaus.“ Und weiter: „ein Kamel, das kein Kamel ist, das unmögliche Kamel, das es ermöglicht, dass die Rechnung aufgeht und doch etwas draußen bleibt. Das aber heißt auch, dass es nicht zurückgegeben werden kann. Es wird zurückgegeben und es wird nicht zurückgegeben. Jede der oben aufgeworfenen Fragen schleppt das Wort ›und‹ hinter sich her. Der Stein des Anstoßes mag wohl die arithmetische Komplikation bei der Aufteilung eines Sacheigentums sein, doch zieht ihre Lösung immer weitere Kreise. Das zwölfte Kamel wird als Zahl und Kamel gebraucht, sein Gebrauch zählt und erzählt, wie es sich ausdifferenziert, seine Ausdifferenzierung kann nicht zurückgegeben werden, an wen auch? Aber sie kann neu verteilt werden - und so geht es weiter.“ Ich mag deine Gedanken um diese Geschichte sehr. Hat diese Erzählung von dem Kamel etwas mit dem Modell zu tun, nach dem etwas da ist, aber nicht wirklich benannt werden kann?
Das ›und‹ ist auch ein guter Übergang zur von mir aufgeworfenen Opposition von Wissenschaft und Literatur (oder Kunst). Ich habe die Begriffe ein bisschen als sich gegenüberstehend verwendet, das stimmt. Es ist ja schon oft so, dass Wissenschaft und Literatur sehr unterschiedliche Sprachen sprechen, bzw. mit Sprache anders verfahren. Oder sagen wir mal, es werden andere Ergebnisse ‚verlangt‘ oder es gibt unterschiedliche Erwartungen an ihre Ergebnisse. Ich denke nicht, dass das Eine für das Andere aufgegeben werden muss oder sagen wir mal, ich wünsche mir, dass es nicht so sein muss. Ich mache aber die Beobachtung, dass es für ein Dazwischen, für hybride Formen oft sehr kompliziert ist, was sich zum Beispiel an der Schwierigkeit zeigen kann, einen Verlag zu finden…

Wie halte ich es in meiner Dissertation? Der Text mit dem Titel Alles kann ein Bild von allem sein ist implizit eine Art Antwort, allerdings im befragenden Modus, auf bildwissenschaftliche Texte, anhand derer ich zunächst versucht habe, dem, was Bild genannt wird, nachzuspüren. In vielen Texten begegnete ich oft dieser Opposition von Wissenschaft und Kunst. Vielen Autor≠innen ging es darum, eine ‚Bildtheorie‘ zu erarbeiten, die auf ‚Bilder‘, meist ‚Kunstwerke‘, angewendet wird und meistens auch darum, sich gegen die von Anderen erarbeiteten Theorien abzugrenzen. Ich wollte nicht in der gleichen Weise da anknüpfen und suchte nach einer anderen Möglichkeit des Schreibens über das, was mich an Bildern bzw. am Bildhaften beschäftigt. Außerdem gibt es da ja noch meine künstlerische Praxis, in der ich oft mit gefundenem (Bild-)Material arbeite und in dessen Montage andere Erzählungen daraus entwerfe, Erzählungen jenseits einer eindeutigen Lesbarkeit.
So, - und auch mit dem Wissen um deine Art des Schreibens, frei und indirekt mit Zitaten zu verfahren -, schreibe ich mit Texten, die ich zum Bild interessant finde und versuche, die Sprache(n) darin sprechen zu lassen. Mit dieser Art mit Bildern zu schreiben widerspreche ich auch einer anderen, oft behaupteten Opposition, nämlich der zwischen Bild und Text.
In dem Zusammenspiel von ‚Eigenem‘ und ‚Fremden‘ entsteht eine mehrstimmige Wissensproduktion im Sowohl-als-Auch und ein Verständnis bzw. eine Ahnung von Bildern, die über das Visuelle hinausgehen.
Das In-Anspruch-nehmen anderer Autor≠innen als ‚Autoritäten‘ sehe ich zugleich kritisch, da ich ja selbst wieder dazu beitrage, Hierarchien und Autoritäten zu verfestigen. Aber niemand schreibt im luftleeren Raum. Ich versuche sie zu durchkreuzen, und zum Beispiel Autoren (hier bewusst ohne Sternchen) miteinander sprechen zu lassen, die sonst nie ein Wort miteinander gewechselt hätten. (Deleuze konnte zum Beispiel Wittgenstein nicht ausstehen.)
Das erst mal für heute!


04.05.2021

Liebe Eske, 

mich als Grundlagenfuzzi interessieren die Bedingungen der Möglichkeit eines Begriffs oder Inhalts, ihre strukturellen, systemischen, paradigmatischen Voraussetzungen. Will man sie der Vorherrschaft der Unterscheidung entziehen, kommt die Proömialrelation (griech.: prooimion=Vorspiel) ins Spiel. Ich wollte dich damit nicht auf Rechercheodyssee schicken, höchstens in Zählen und Erzählen nachlesen lassen, wie ich sie von Günther übernommen und für meine Semiotik des Weiblichen präpariert habe: „Das Proömialverhältnis durchkreuzt die Unterscheidung von Form und Inhalt, indem es ihren Unterschied relativiert: ‚Was Materie (Inhalt) ist kann Form werden und was Form ist, kann auf den Status bloßer „Materialität“ reduziert werden.’ Gleichzeitig leistet das Proömialverhältnis eine tiefere Be- und Entgründung der Logik, weil sie als Proömion die Vor-Eröffnung aller Relationen und Differenzen ist“ und als „mere potential“ die Leerstellen entdeckt.
Auf den Philosophen Gotthard Günther war ich über seine reflexionstheoretische Analyse des Schöpfungsmythos gekommen, als ich im Frauenbuchladen und Verlag Lilith (1975-1999) arbeitete. Die hierarchische Mann-/Frauwerdung (Adam aus Erde und Eva aus seiner Rippe) und die heterarchische von Adam und Lilith, die gleichursprünglich aus Erde geschaffen wurden und deshalb ein Verkehrs- und Kommunikationsproblem hatten, zeigten nicht nur das Problem von Hierarchie und Heterarchie, von Kanonisierung und Ausschluss (in apokryphe Texte) auf. Sie boten auch die Möglichkeit, sich in einer doppelten (disseminativen und zerologischen) Bewegung einer anderen (weiblichen) Schreibweise anzunähern. Ich hatte kein besonderes mathematisches Fachwissen und darum ging es ja auch nicht. Es ging mir darum, nicht einfach Hierarchien umzukehren oder Unterschiede aufzulösen, sondern neue Denkräume zu erschließen. Wenn ich also die französischen Theorien der Weiblichkeit (Kristeva, Irigaray) und die Dekonstruktion Derridas mit den Güntherschen Translogismen in Verbindung brachte, dann deshalb, um die aufgetretenen logischen und epistemologischen Probleme in ihren Konsequenzen aufzuzeigen und bearbeiten zu können.
Leerstellen, Denkräume. Sie sind da, man kann auf sie zeigen, aber sie nicht positivsprachlich benennen, um es mit Kaehr zu sagen. Man muss sie erschließen. Auf das UND kommt es an, auf diese Junktion, die trennt UND verbindet.  Sie markiert den Verlust eines absoluten Ursprungs, wie er auch für die Null konnotiert wurde. Und wie die Null kann sie deshalb auch einen relativen Ursprung verkörpern. Zeitgebunden und veränderlich. Die Null als Zahl UND Kamel. Auch die Opposition von Bild und Text ist ja nur eine, wenn man sie in ihre Abhängigkeit schickt, als Abbild oder Beschreibung. Nicht aber, wenn man sie autonomisiert. Wenn sie frei UND indirekt aufeinander verweisen können, ohne sich jemals belegen oder kommentieren zu müssen. Literatur UND Theorie. UND ist eine Verbindung, die sich auf viele Weisen herstellen kann. Wie die Null ist sie nicht nichts. Sie ist die Relation zu einem Etwas, dem sie die Kontingenz von allem einschreibt und sich logisch garantiert unmöglich verhält. Sie ist mein Code geworden, von Zählen und Erzählen bis Frei und indirekt und weiter. Sie verlangt von mir, zu einem gegebenen Potential ein anderes, aber nicht irgendeines zu wählen, und zwar so, dass sich eine Differenz zwischen Potentialen herstellen kann. „Ich als soundso und soundso“ wie ich mich in Legende sein aufgrund einer mir eigenen Rekursivität in Gang halte und weitertreibe. Habe ich es schon gesagt? Von jetzt an werde ich mehrere sein. Oder, wie ich es an anderer Stelle bereits gesagt habe, „Ich als...“ erschreibt sich seine Fähigkeit weiterzuschreiben, indem es Lesarten seiner selbst zum Leben erweckt und den Blick dafür schärft, dass sich dort, wo sich etwas befindet, auch nichts oder anderes befinden kann. Das ist keine Lektüre des Wiedererkennens oder des Aneignens. Sie ist Intervall, Diskontinuität, Suspension und beschert uns die merkwürdigsten Zeitgenossen (Deleuze und Wittgenstein!), in denen und mit denen wir denken. Und weiterschreiben.


10.05.2021

Liebe Eva,

dann würde die Antwort auf deine Frage: „Muss ich mich entscheiden, wer ich bin, wenn ich schreibe? Eine Wissenschaftlerin? Eine Künstlerin? Eine Feministin? Kann ich nicht von einer Person in die andere übergehen und die sich teilende, sich verlierende, sich wiederfindende Übertragung verschiedener Stimmen in die Ausflucht aus einem vorherbestimmten Diskurs transformieren“ lauten, dass du dich nicht entscheiden musst, oder?
Vielen Dank für deinen Rückblick in die Zeit des Frauenbuchladens! Ich finde solche Rückblicke total interessant. Ich habe kürzlich von Katrin Die schwarze Botin (2020) geschenkt bekommen mit Texten von 1976-1980, auch zwei von dir.
Wie hast du den Austausch in diesen Zusammenhängen empfunden? Ist der Austausch ein wichtiger Antrieb zu schreiben oder ist das eher ein Prozess, ein Weg, den du alleine gehst?

Du schriebst vor Beginn unseres Austauschs, dass du gerade eine Selbstbefragung deines Schreibens angesichts gegenwärtiger identitätspolitischer Zuspitzungen vornimmst. Was meinst du genau damit? Bzw. wie weit bist zu derzeit mit deiner Selbstbefragung?
Neugierige und herzliche Grüße, noch immer nach meiner Rolle suchend ; -)
Ich bleibe vorerst beim Fragen.


14.05.2021

Liebe Eske,

in der Schwarzen Botin habe ich meine ersten Texte publiziert. Ein Austausch von Anerkennung und auf jeden Fall Luft zum Atmen in den manchmal sehr kurzgeschlossenen und auch theoriefeindlichen feministischen Positionen, die uns umgaben. Mit Witz, Satire, Ironie, Polemik. Und Souveränität. Das brauchte ich, um Ambiguität und Indirektheit meiner Herangehensweise auszuhalten, die keine schnellen Schuldzuweisungen und Heilversprechen im Angebot hatte.
Und auch keine Identifikation. In Tischgesellschaft (1995, „Das Persönliche ist politisch“) schreibe ich: „Weder hielt ich es für wichtig, meine Identität zu finden, noch sie in irgendeiner Gruppierung aufgehen zu lassen.“ Immer wieder betone ich, dass ich nicht nur eine Geschichte hinter mir, sondern auch noch eine vor mir haben möchte. Dass ich mir mein Leben erzählen möchte, ohne es nach dem Schema Identität und Andersheit aneignen zu müssen.
Mittels Konjunktionen, Paradoxien, Zitatmontagen mache ich mich an ein Herumschieben der Sprache zum Zwecke einer elastischen und nuancenreichen Anordnung, die eine Vielfalt subjektiver Darstellungen erlaubt. Sie kann weder auf ein ‚Ich‘ noch auf ein ‚Wir‘ zurückgeführt werden. Stattdessen ermöglicht sie eine erstaunliche Wendigkeit des Denkens und eben diesen magischen Augenblick, in dem die Sprache einer anderen Inspiration folgt als der eines Ichs oder Wirs. Das manifestiert sich als Stil und gründet eine eigene technisch-stilistische Tradition. Ich spreche hier nicht von einem Experiment für Spezialisten. Ich spreche hier von der Sprache als treibende Kraft, die alle und jeden betrifft und uns als Einzelne zu selbständig kollektiven Aussagen zwingt.
Sobald ich meine ‚eigene‘ Version, diejenige, die auf einer Lesart innerhalb ihrer eigenen Souveränität besteht, gegen und fremd durch mich selbst lese, erübrigt sich die Entscheidung, wer ich bin, wenn ich schreibe. Ich setze mich einer konstitutiven Identitätsverfehlung aus. Ich übersetze, übertrage, führe wieder auf. Ich befinde mich in prekärer Zwischenstellung: ich will dem Gesetz des Fremden sowie dem des Eigenen genügen und werde doch in der Befolgung des einen das andere übertreten. Ich bin in einer grenzüberschreitenden Umschrift begriffen, aus der ich mich nicht heraushalten kann. Um zu vergleichen, habe ich immer schon unterschieden, um zu unterscheiden, immer schon verglichen. Beides ist, zirkulär, hinter dem anderen her. Was aber ist das Fremde, was das Eigene, was Original, was Kopie, wenn es nicht um ein Treueverhältnis sich ersetzender Abbildlichkeiten geht, sondern um den Prozess eines material-vermittelten Probehandelns? Statt abstrakter Gleichheit und Ähnlichkeit bin ich ein Kontinuum von Verwandlungen auf der Suche nach seiner Matrix, möglicherweise ein Missverständnis, das genau dann etwas Neues auftut, wenn es nicht passt, sondern zu wünschen übriglässt.
Sich in fremden Texten verlieren und wiederfinden, wie man sich verpasst - könnte ich so meine Flucht aus den vorherrschenden Diskursen organisieren, aus all diesen unerschütterlichen Wortergreifungen, denen ich schon so lange und so geduldig zuhöre? Könnte ich ihre Einschüchterung in eine semiotische Situation transformieren? Ich halte mich da an eine Art melismatische Technik, die auf einem Wort aufbaut, in Wiederholungen, die irgendwann frei zu schweben beginnen und mich in Schreibtrance versetzen, um zielgerichtet einer semiotischen Situation nachzugehen, die jeden dazu einlädt, sich ihrer anzunehmen. Das ist kein politisches Projekt, aber eine irgendwie individuell praktikable Ethik, die ich mondän werden nenne: Die Erfindung und Erprobung meiner selbst als lokalisierte Selbstreflexion der Welt.
Vom Einzelnen sagt Kierkegaard, dass er „von Anfang an längst nicht alles überblickt, sondern erst sukzessiv sich darin verstehen“ lernt, als ein „Konfinium dazwischen“, das sich doch aber „kategorisch richtig zur Zukunft der Geschichte“ verhält. Das kann man weder lehren noch lernen. Es sei – so Kierkegaard - „ein Können, eine Kunst“, wie der persönliche Gebrauch von dieser Kategorie zu machen wäre.
Ich würde sagen, mich bringt der persönliche Gebrauch meines Denkens in der Sprache in Gemeinschaft, doch ohne eine gemeinsame Identität zu stiften. Wenn ich mich dank meines Herumschiebens der Sprache in anonymen und personifizierten Gegenwarten reflektiere, lebe ich von der Beweglichkeit ihrer Kombinationen und exponiere mich niemals als ein leiblich unverwechselbar Bestimmter. Nicht mehr Personen haben Stimmen, vielmehr verweben sich Stimmen und Äußerungsweisen zu einer freien und indirekten Beziehung der Sprache zum Denken. Genauer gesagt reagiert die Sprache auf sich selbst in einem sich und uns transformierenden Sprachbewusstsein. Seine Bedeutung liegt in der Möglichkeit, zukünftig bedeuten zu können, wenn es sich selbst liest, wenn es sich selbst umschreibt und sich als Umschrift liest – und damit teilhat am Prozess der Hervorbringung einer Zukunft seiner UND damit unserer selbst. Partikular UND universell. Oder? Was ist der Code?


27.05.2021

Liebe Eva,

vielen Dank für deine Offenheit, die Reflexion über dein Schreiben zu teilen! Das finde ich total interessant und sehr bereichernd!
Jetzt haben wir schon einen Teil unseres Dialogs in der ZOO00ooM Zero Lesung vorgetragen und wir könnten bald zum Ende kommen.
Allerdings habe ich noch eine Frage zum konkreten Vorgehen in deiner Schreibpraxis, die mich brennend interessiert: Wie wählst du die Stimmen aus, mit denen du weiterschreibst? Und wie kommst du auf sie?
Ein bisschen lese ich es schon in deiner letzten Nachricht, nämlich, dass in ihnen die Möglichkeit mitschwingt, zukünftig bedeuten zu können. Ich würde gerne mehr darüber erfahren!


11.06.2021

Liebe Eske, 

statt Stimmen auszuwählen, lasse ich mich von ihnen wählen. Ich lese. Und zwar viel. Aber nicht, um darüber zu schreiben. Ich lese, bis das Lesen umkippt ins Schreiben. Wenn es da etwas gibt, eine Stimme, die ich höre, ein Denken in der Sprache, das nicht bloß Sinn macht, sondern auch klingt, nachklingt und eine Spannung aufbaut, die nicht unmittelbar zugänglich ist – dann habe ich mein Stück zu spielen, mit mir, mit anderen.
Am Ort einer Resonanz, in der Zeit des Geräuschs eines Mitteilens, dessen Komplexität mit der Entfernung von seiner Bestimmung zunimmt und sich nach Maßgabe seiner Entfaltung und Wiedereinfaltung verfeinert, schreibe ich eine Autobiographie der Schrift. Das ‚Ich‘ oder das ‚Wir‘, das ‚Uns‘ im identifikatorischen Sinn, so wie es von kulturellen und symbolischen Konfigurationen gebildet wird, bildet oder äußert sich je nach Sprache verschieden. Es geht ihr niemals voraus. Es hängt ab von der Sprache im Allgemeinen und kann sich daher nur in Übertragung begreifen, wenn du in deiner Sprache meine verstehen kannst, die Sprache eines Ichs, das sich situativ gebildet hat. In Übersetzung - nicht nur zwischen Sprachen. Auch zwischen Kulturen, Religionen, Nationen, Identitäten. In Aneignung, Entfremdung, um in einem Akt der Selbstenteignung wieder anzueignen. Je mehr sich das Ich seinen heteronomen Herkünften verschreibt, desto mehr entzieht es sich der Hegemonie dominanter Sprachen und wird an seiner Schrift – oder Umschrift - wieder lebendig.


Liebe Eva,

das finde ich ein wunderbares Ende für unseren Briefwechsel zum Zerologischen! Vielen Dank dir!

Die Korrespondenz fand zwischen April and Juni 2021 via Email statt.

Literatur

Die Schwarze Botin. Ästhetik, Kritik, Polemik, Satire 1976-1980, mit einer historischen Einleitung hrsg. von Vojin Saša Vukadinović, mit einem literaturwissenschaftlichen Nachwort von Magnus Klaue und Christiane Ketteler, Göttingen: Wallstein 2020.

Julia Kristeva, Distance et anti-représantation, in: Tel Quel 32, Paris: Ed. du Seuil 1968.
Julia Kristeva, Semiotiké. Recherchen pour une sémanalayse, Paris: Ed. du Seuil 1969.

Niklas Luhmann, Die Rückgabe des zwölften Kamels: Zum Sinn einer soziologischen Analyse des Rechts, 2000, in: Zeitschrift für Rechtssoziologie 21, Heft 1, 3–60, Stuttgart: Lucius & Lucius 2000.

Rudolf Kaehr und Thomas Mahler, Prooemik und Disseminatorik, 1995, in: vordenker (Webforum für Innovatives in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur); http://www.vordenker.de/rk/rk-tm_prooemik-und-disseminatorik_1995.pdf

Entweder-Oder: Teil I und II / Sören Kierkegaard, unter Mitwirkung von Niels Thulstrup und der Kopenhagener Kierkegaard-Gesellschaft hrsg. von Hermann Diem und Walter Rest, aus dem Dänischen von Heinrich Fauteck, München: Dt. Taschenbuch-Verlag 2009.
Die Wiederholung / Sören Kierkegaard, Übers., mit Einl. und Kommentar hrsg. von Hans Rochol, Hamburg: Meiner 2000.

Eva Meyer, Frei und indirekt, Basel / Frankfurt am Main: Stroemfeld 2010.
Eva Meyer, Legende sein, Basel / Frankfurt am Main: Stroemfeld 2016.
Eva Meyer, Tischgesellschaft, Basel / Frankfurt am Main: Stroemfeld 1995.
Eva Meyer, Von jetzt an werde ich mehrere sein, Basel / Frankfurt am Main: Stroemfeld 2003.
Eva Meyer, Zählen und Erzählen, Für eine Semiotik des Weiblichen, Basel / Frankfurt am Main: Stroemfeld (1983) 2013.

Eske Schlüters, Alles kann ein Bild von allem sein, Wien: Passagen Verlag 2021.

time to sync or swim, 2016, räumliches Setting und akustisch-binaurales Audiostück, Katrin Mayer und Eske Schlüters.

Biographic Notes

Eva Meyer, philosopher, writer, and filmmaker based in Berlin. Her work is a practice of knowing that recites and renegotiates between reality and fiction, theory and performance. Visiting professorships at various universities and art schools, most recently: The Eberhard Berent Visiting Professor and Distinguished Writer in Residence at NYU, New York. Numerous books, from Zählen und Erzählen. Für eine Semiotik des Weiblichen (1983, reprint 2013) to Legende sein (2016). Audio Plays. Films with Eran Schaerf, from Wie gewohnt. Ein Versatzstück (1997) to Dieses Spiel geht nur zu sechst (2020).

Eske Schlüters (*1970) is a visual and writing artist based in Hamburg. She is interested in the relationship between images and narration. Her dissertation Alles kann ein Bild von allem sein (Everything can be an Image of Everything), published in 2021, tells of possible and impossible images that are being thought beyond the visual. In the interplay of reading and re-writing, where language begins to play its own role, the montage of textual elements itself becomes a form of argumentation and the boundaries between the self and the other are blurred. Her work has been shown in group exhibitions at the Bundeskunsthalle Bonn (2013) and the Frankfurter Kunstverein (2013) as well as in solo exhibitions at the Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2008) and the Museum für Gegenwartskunst Siegen (2006). In collaboration with Katrin Mayer she developed the acoustic-spatial setting time to sync or swim (2016/2017) for the Kunsthalle Lingen.

Issues

Eine erste Version wurde von Eva Meyer and Eske Schlüters gelesen für

ZO0O0O0M ZERO

A Collective Reading and Listening, initiated by Katrin Mayer on Sunday, May 30, 2021 at 7pm, with (in order of appearance): Eva Meyer & Eske Schlüters, Karolin Meunier, Sophia Eisenhut, Stanton Taylor, Sarah Kürten & Liv Rahel Schwenk, Jana Seehusen, Jasmina Metwaly, Hanne Loreck, Ann-Kathrin Eickhoff & Sarah Lehnerer.

Visit Website

Beginn ab Minute 19:46

Related contributions

When a zero unfurls into lines

Zerological subject, feminist modes of writing, polyphonic knowledge production

Eva Meyer, Eske Schlüters - translated by Andrea Scrima

Ich – ein Transformer?

oder: How to code a feminist transformer?

Eske Schlüters

zwischenmit – ein transitorisches Fragment*

Jana Seehusen

dein Zentrum interessiert mich nicht

Romy Rüegger

Zerologisches Subjekt und topologische Figuration

Hanne Loreck

Linkbase

Eva Meyer, Das digital geborene Ich. Zu Elfriede Jelineks „Neid. Privatroman“Radio PlayDigital Feminism, AutofictionMit Eva Meyer, Elfriede Jelinek, BR 2011. (...) Sie will „ich“ sagen in ihrem „Privatroman“ und das bedeutet: Neid. Aber Achtung: Ihr Ich ist digital geboren. Sadie Plant, On Bea Schlingelhoff’s typefaces for Women against Hitler (2017)TextTypefaces, Feminist Politics"Putting faces to the names of women of these types, who fought against the odds and mostly lost, is not a way to put them on display, in a frame or on a pedestal; (...) but intervenes at another point in the very infrastructure of communication in which these women also worked, as messengers, go-betweens, decoys and spies, maybe also as mothers or wives. (...) It animates them, activates them, gives them currency." Judith Sargent Murray, On the Equality of the Sexes (1790)Web PublishingFeminist Politicscita is a library and press devoted to highlighting, publishing and promoting works written by women. Cyberfeminism IndexArchive, WebsiteCyberfeminism, Computer HerstoryThrough a collaborative online index, designer and researcher Mindy Seu has assembled this “catalog” of cyberfeminism, which not only contains canonical projects and protagonists, but also seeks to intersectionally expand this field by including non-white and nonwestern variants of Cyberfeminism, including feminist Afrofuturism, womanism, and hackfeminista.